Samstag, 24. Februar 2018

Mein Freund, der Baum: Eibe

Mein heutiger Baumfreund ist mir immer als ein typischer Stadtbaum vorgekommen, denn im Dorf meiner Kindheit gab es ihn nicht, ich habe ihn also erst beim Umzug in die Stadt kennengelernt. Und da kam er mir immer zu duster vor, zu staubig, in irgendwelchen städtischen Vorgärten unter anderen Bäumen immer etwas bedrängt stehend. Dabei ist dieser Nadelbaum etwas ganz besonderes, nämlich die älteste und schattenverträglichste Baumart Europas.

Die Europäische Eibe Taxus baccata, auch Gemeine Eibe oder nur Eibe genannt, Baum des Jahres 1994, ist die einzige Variante der Pflanzengattung Taxaceae bei uns in Europa. Eiben gab es schon vor der letzten Eiszeit in unseren Breiten. Damit ist sie eine Besonderheit, denn die meisten anderen für unsere Klimazone typischen Bäume tauchten erst auf, als das Klima wieder milder geworden war. Die Härte gegenüber klimatischen Widrigkeiten ist typisch für die Eibe, die robust & extrem stark ist. Sie kann auch sehr alt werden. Insgesamt kommen auf der Nordhalbkugel unserer Erde - und nur dort - acht bis zehn verschiedene Arten der Eibe vor.


Als Deutschlands älteste Eibe gilt die Hintersteiner Eibe im Allgäu, deren Alter auf ca. 2000 Jahre geschätzt wird. Sie hat einen Stammdurchmesser von etwa einem Meter. In Münchshagen bei Rostock steht eine Eibe, deren Alter auf 1500 Jahre geschätzt wird, und das Exemplar neben der Kirche in Wietmarschen bei Bentheim/ Niedersachsen wurde bereits 1152 bei der Erbauung der Stiftskirche urkundlich erwähnt ( "... neben dem hiligen Ibenbaum" - Ibe ist der alte Name  des Baumes und kommt in etlichen Ortsnamen vor ). 

Von Natur aus ist die Eibe in allen deutschen Bergregionen bis hinauf in eine Höhe von 1400 Metern verbreitet gewesen. Doch sie wurde in der Vergangenheit rigoros abgeholzt, so dass sie nur noch an wenigen Stellen in unserem Land in nennenswerter Zahl zu finden ist und mittlerweile auf die Rote Liste der gefährdeten Arten aufgenommen wurde. 

Einer der größten Eibenwälder Deutschlands mit einer Fläche von 90 Hektar befindet sich heute in der Nähe des Klosters Wessobrunn in Bayern. Im Naturwaldreservat des niedersächsischen Forstamts Bovenden bei Göttingen findet man einen kleineren geschlossenen Eibenbestand von ca. 13 Hektar. Auf der Vorderröhn in der Nähe von Dermbach gibt es einen Bestand von ca. 600 Stämmen ( "Ibengarten" ) sowie größere Gruppen des Baumes wie auch Einzelexemplare im Bodetal im Harz, zwischen Thale und Treseburg. 

Gründe für diesen Schwund in früheren Zeiten gibt es mehrere:

Das Holz der Eibe ist harzfrei, sehr elastisch und zäh, dabei doch sehr dicht und schwer, was auf das sehr langsame Wachstum zurückzuführen ist. Im Spätmittelalter war dieses harte und gleichzeitig elastische Eibenholz für den Bogen- und Armbrustbau sehr gefragt. Besonders in England, der Heimat des Langbogens, war die Nachfrage nach solchen Bögen aus Eibenholz so groß, dass diese über Nürnberg in großen Mengen - quasi ein früher Exportschlager - nach Antwerpen geliefert und von dort weiter verschifft wurden. Für das Jahr 1560 ist alleine die gewaltige Menge von 36 000 Eibenbogen verzeichnet!

Auch als Rohstoff für Musikinstrumente war die Eibe sehr beliebt. So entwickelte sich in der Renaissance Füssen im Allgäu zu einem Zentrum der Lautenmacherkunst, dem u.a. die Eibenwälder entlang des Lechs zum Opfer fielen. Und dann dezimierten schließlich noch die Pferdehalter die Eiben entlang ihrer Fuhrwege, weil schon geringe Mengen der Nadeln oder Rindenstücke des Baumes, einmal gefressen, zum Tod ihrer Pferden führte. Jedenfalls erklärte der Herzog Albrecht von Bayern im 16. Jahrhundert offiziell, dass es keine einzige Eibe in seinem Herrschaftsbereich mehr gäbe.


Die Eibe ist ein immergrüner Nadelbaum, der selten eine Höhe von über 20 Metern erreicht, oft auch nur strauchförmig wächst. 

Typisch für die Eibe ist, dass sie aus mehreren, miteinander verwachsenen Stämmen besteht. Oft wachsen Stockausschläge oder zusätzliche Triebe am Hauptstamm empor, die sich dann eng an ihn anlehnen und mit ihm verwachsen. Die Krone einstämmiger Exemplare bleibt anfangs eher kegelförmig und sieht erst später abgerundet bis kugelig aus mit stark verzweigt Ästen. Stärkere Äste hängen leicht nach unten, zeigen an den Enden dann wieder nach oben. Im Gesamtbild erscheint die Eibe oft sehr ungleichmäßig gewachsen.

Ihr Wurzelsystem ist sehr weitläufig, tiefreichend und dicht. Die Entwicklung dieses Wurzelsystems hat beim Heranwachsen des Baumes Priorität vor dem Dicken- und Höhenwachstum. In Felsregionen ist die Eibe sogar in der Lage, mit ihren Wurzeln in wasserführende Senken und Klüfte zu dringen und sich gleichzeitig mit anderen Wurzeln an den nackten Felsen zu klammern.

Der tiefgefurchte Stamm hat in jungen Jahren eine rötlich - braune glatte Rinde, die später zu einer graubraunen, sich in Schuppen ablösenden Borke wird. Die Nadeln sind etwa 15 bis max. 40 mm lang und 2 bis 3 mm breit, an der Oberseite glänzend dunkelgrün, auf der Unterseite graugrün mit zwei undeutlichen Spaltöffnungsstreifen und relativ weich. Mir kommen sie immer vor - im Vergleich zu den Nadeln anderer Bäume - wie mit der Schere gerade geschnitten.






Die Eibe ist zweihäusig: Männliche und weibliche Blüten befinden sich auf unterschiedlichen Bäumen. 

Die zahlreichen männlichen Blüten haben eine kugelige Form mit einem Durchmesser von etwa 4 mm, die weiblichen sind nur 1 bis 1,5 mm groß, stehen jeweils als Kurztriebe in den Blattachseln jüngerer Zweige und sind auf Grund ihrer grünlichen Farbe unscheinbar ( Blütezeit: März - April ). Die roten Fruchtkörper ( biologisch handelt es sich um einen Samenmantel arillus ) der Eibe sind für Drosseln und andere Federträger ein willkommener Snack - aber Achtung:

Die Eibe ist der einzige bei uns heimische Nadelbaum, bei dem fast alle Teile giftige Alkaloide ( Taxin, Miloxin und Ephedrin ) sowie das Glykosid Taxacatin enthalten. Nur das Fruchtfleisch der leuchtend roten Früchte ist genießbar, die darin "versteckten" Samen enthalten das giftige Taxin. Auch Hasen, Rehe und Rothirsche vertragen dieses Gift,  beim Menschen hingegen führt schon eine geringe Menge zu Atemlähmung und Herzversagen. Auf jeden Fall sollte man den Kern immer ausspucken!


Die Eibe hat Strategien entwickelt, um mit den bei uns vorkommenden wesentlich höheren Buchen, Fichten und Tannen konkurrieren zu können. So verträgt sie mehr Schatten als alle anderen Bäume in Mitteleuropa, und dann kann sie selbst noch aus einem gefällten oder abgebrochenen Stamm neu austreiben. Auch Astteile, die mit dem Boden in Berührung kommen, beginnen Wurzeln zu schlagen. Eine weitere Überlebensstrategie ist die vegetative Vermehrung. Die Tochtergeneration unterscheidet sich dann nicht von der Muttergeneration, sie ist sozusagen ein Klon.

Im Altertum spielte die Eibe im Totenkult sowie als Totenbaum eine Rolle. Auch vor Blitzen und Dämonen sollte sie den Menschen schützen. Bei den Kelten stellte man aus den Früchten ein Gift her, mit dem die Waffen bestrichen wurden. So glaubte auch Cäsar, dass die Germanen, um ihn zu töten, Pfeile mit Saft von Eiben vergiftet hätten. Die Zauberstäbe der Druiden waren ebenfalls aus Eibenholz, in das rituelle Worte eingeritzt wurden, geschnitzt.


Auf dem Höhepunkt des Rokoko kam die Eibe als scharfgeschnittene Formhecke in Mode: Auf Adelssitzen, in Gärten und auf Friedhöfen fand sie sich damals in Kugelform beschnitten, als Pyramide, Obelisk oder als Tier- & Fabelfigur wieder. Auch heute wird sie wieder als Einfassungshecke angepriesen, gilt gar als Königin der Heckenpflanzen.


Ghislana/ Jahreszeitenbriefe sammelt an diesem Wochenende alle Beiträge der Baumfreunde ein. Schaut mal vorbei!





Freitag, 23. Februar 2018

Heute wieder zur Lage der Menschenrechte & zur Barbarei in Syrien


Der diesjährige Amnesty-Bericht zur weltweiten Lage der Menschenrechte, der gestern veröffentlicht und am Vortag  in Washington DC vorgestellt worden ist, zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand auf unserer Erde. Dennoch wird darin auch festgestellt, dass das Engagement der Zivilgesellschaft für die Menschenrechte, wächst.

Geneva Summit of Human Rights
and Democracy, 20.02.2018
Washington als Ort der Präsentation ist nicht ohne Grund gewählt worden, hat doch der derzeitige amerikanische Präsident mit seiner Hass - Rhetorik ein negatives Rollenvorbild abgegeben, denn weltweit gibt es ähnliche Entwicklungen. Die Dämonisierung und Ausgrenzung von Minderheiten sowie die Abschottung gegenüber Flüchtlingen sind Phänomene, die ja auch bei uns im Land und auf dem europäischen Kontinent um sich greifen und salonfähig werden. Abgelenkt werden soll damit, dass es eigentlich um Verteilungsfragen geht. Viele politische Führer nutzen die Furcht der Menschen vor einem sozialen Abstieg, um Hass und Angst zu schüren, auf Minderheiten zu leiten und gleichzeitig die allgemeinen Menschenrechte einzuschränken. Es wird gerne suggeriert, dass diese Rechte unwichtig seien, Hauptsache die wirtschaftliche Entwicklung stimmt.

Amnesty greift auch die Tatenlosigkeit der Regierungen im Westen an, die die Barbarisierung der Kriege in Syrien, dem Irak und Jemen meist hinnehmen, denen hauptsächlich die Menschen zum Opfer fallen, die zufälligerweise an den umkämpften Orten leben. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist vor siebzig Jahren genau aus dem Grunde nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgt, als Reaktion auf die Gräueltaten, die damals ein ungeahntes Ausmaß, eine bis dato nicht gekannte Stufe erreicht hatten, was die Verluste der Zivilbevölkerung betraf. Immer mehr gewinnt man den Eindruck, dass viele Menschen das vergessen haben, und wir Gefahr laufen, die Vergangenheit zu wiederholen.

Amnesty konstatiert in diesem Bericht aber auch, dass viele Menschen, z. B.  in den USA gegen die Politik des Präsidenten auf die Straße gehen und dagegen aktiv protestieren,  auch die "Me-too"-Bewegung, die weltweit gegen Frauendiskriminierung mobilisierte, ging von dort aus, in Lateinamerika brachte die Initiative "Ni Una Menos" hunderttausende Menschen auf die Straßen, um gegen Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren. In Venezuela und im Iran protestierten die Menschen hingegen gegen hohe Lebensmittelpreise und Korruption, in Polen gegen die Abschaffung der Unabhängigkeit der Justiz durch die Regierung.

Menschenrechtler zahlen allerdings oft einen hohen Preis für ihren Einsatz. Über eine ganze Reihe von ihnen, vor allem im arabisch - asiatischen Raum, in der Türkei und Nordafrika habe ich an dieser Stelle immer wieder gepostet. Im letzten Jahr wurden mindestens 312 von ihnen umgebracht. Gefahr droht ihnen sowohl von nationalen Regierungen als auch bewaffneten Gruppen, Unternehmen oder politisch - religiösen Gegnern.
"Das 70. Jubiläum der Menschenrechtserklärung ist die Gelegenheit, in dieser kritischen Zeit diese Werte wieder einzufordern: die Idee, dass jedes Mitglied der Menschheit das Recht auf Würde und Gleichheit hat", so der Amnesty-Sprecher David Griffiths.
Muhammad Najem

Gestern ist wieder ein Versuch gescheitert ( siehe Bericht hier ), eine Feuerpause für Syrien zu erreichen, weil Russland eine Abstimmung darüber im UN-Sicherheitsrat verhindert hat. Seit Tagen versuche ich an dieser Stelle einen Post zu verfassen, der sich mit der erneuten Steigerung der Barbarei an den unterschiedlichen Fronten in Syrien befasst - es ist mir nicht möglich, ich finde die Worte einfach nicht mehr. Lasse ich die Menschen vor Ort für sich selbst sprechen. Allen, die sich ihre Humanitas bewahrt haben, lege ich ans Herz, sich einmal zu Gemüte zu führen, was der 15jährige Muhammad Najem, der in Ost - Ghuta lebt, uns zu sagen hat:
„Unser Blut bettelt jeden Tag. Ihr schaut es euch täglich an und reagiert trotzdem nicht. Unser Hunger, unsere Kälte, dass wir vertrieben werden, sind zu einem bekannten Bild geworden. Rettet unser Volk in Ghouta!“
Gestern habe ich an die Geschwister Scholl und ihre Freunde erinnert. Und ihren Satz möchte ich uns allen am liebsten um die Ohren hauen:

"Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt habt!"


Friday - Flowerday # 8/18


Die Magnolienzweige, 
die ich vor zwei Wochen gekauft habe,
 stehen immer noch an Ort und Stelle in der Vase,
denn ich mag auch neben den unvergleichlichen Blüten 
die hellgrünen, zarten, samtigen Blätter. 
Auf die hoffe ich nun. 


Wer mich kennt, weiß, 
dass Zweige solo allerdings nichts für mich sind: 


Drei zartfarbene Mohnblüten, die sich drehen und winden...  


und drei französische Tulpen, die  einen langen, schmalen Hals machen, leisten Gesellschaft. 

Ist die nicht toll?


 Gesamtschau für Helga/Holunderbluetchen®
Jetzt bin ich gespannt, 
ob sich die Blättchen noch zeigen werden, 
( und ihr sie ein drittes Mal präsentiert bekommt ).





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