Dienstag, 24. April 2018

Edelshopper, der Zweite


Vor einer Woche hatte ich schon angekündigt, dass ich ein weiteres Exemplar nach dem Taschenspieler - 4 - Schnittmuster "Edelshopper" unter meiner Maschine liegen habe. Nun kann ich die Tasche hier vorstellen:




Genäht habe ich sie aus einem Gobelinstoff von Stoff & Stil, gefüttert mit einem beschichteten Baumwollstoff im intensiven Flamingoton von hier, auch die Kunstledertragegurte stammen von dort ( alles selbst gekauft und bezahlt ). 

Ergänzt habe ich die Tasche diesmal mit der Innentasche des Schnittmusters "RollUp", ebenfalls eine Schnittmuster der Taschenspieler - 4 - CD. Ich finde solches Zubehör für Großraumtaschen sehr sinnvoll, wenn man nicht immer nach Kleinkram suchen will:



Die Taschenschnitt gefällt mir auch in diesem Gobelin - Material wieder total gut, finde den Stoff auch sehr gut geeignet, weil er ganz ohne Vlieseline - Verstärkung verarbeitet werden kann. Nur beim Taschenboden habe ich Decovil plus Kunstleder eingesetzt. 





Montag, 23. April 2018

Ja, es geht uns alle an!


"INZUCHT" - das war ein Wort, bei dem ich mich als Kind in der deutschen Provinz der Nachkriegsjahre geschämt habe, geschämt für meine Erwachsenen um mich herum, die das immer wieder im Munde führten. Geschämt, weil es im Zusammenhang fiel mit der "depperten Edith", dem "Klumpe - Karle", der schielenden Renate, dem "Blitzeheini" oder der Epileptikerin Barbara. Die Edith, die war bei mir in der Klasse ( ebenso wie später die Barbara ), die war zwar langsamer als ich, aber ein feiner Kerl, auf den man sich verlassen konnte, nicht hinterhältig wie manch arg fromme, scheinheilige Klassenkameradin. Und der Karl, der lief zwar etwas komisch, aber das taten eine ganze Reihe Dörfler auch, krumm von der Last der Jahre oder weil sie "kriegsversehrt" oder so geboren waren. Als Kind registriert man eben alle Feinheiten, auch in der Sprache und im Tonfall der Erwachsenen. Ich habe die Gemeinheit hinter dem Wort immer empfunden ( und die Verlogenheit, gab es doch in der weiteren Familie ein Paar Cousin/Cousine, mit Ausnahmegenehmigung verehelicht, das stand nie in Frage ).

"INZUCHT" - das ist ein Wort aus dem "Wörterbuch des Unmenschen", dass auch damals in jener Zeit, nämlich 1957, herauskam und in dessen Vorwort einer der Verfasser schrieb:
"Lange hatten wir geglaubt, dieser gewalttätige Satzbau; diese verkümmerte Grammatik, dieser monströse und zugleich krüppelhafte Wortschatz seien der Ausdruck der Gewaltherrschaft – ihr Ausdruck oder ihre bleckende Maske –, und so würde dies alles auch mit ihr in Trümmer sinken. Es ist auch mit ihr in Trümmer gesunken. Aber kein reines und neues, kein bescheideneres und gelenkigeres, nein freundlicheres Sprachwesen ist erstanden. Sondern der durchschnittliche, ja, der herrschende deutsche Sprachgebrauch behilft sich mit diesen Trümmern bis auf unsern Tag. Das Wörterbuch des Unmenschen ist das Wörterbuch der geltenden deutschen Sprache geblieben."
Dass das sechzig Jahre später immer noch zutrifft, hat einmal wieder die Partei der Blauen bewiesen, und den Begriff "Heirat innerhalb der Familie" aus jenem tausendjährigen Reich in einer Anfrage im Deutschen Bundestag am 23. März 2018 verwendet, und das im Zusammenhang mit behinderten Menschen und Migration. Wie blauäugig - das Wort gewinnt da eine ganz neue Bedeutung -  muss man sein, um nicht die Absicht und die Ideologie dahinter zu sehen?





Gestern ( in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ) wie heute ist in deutschen Tageszeitungen eine von 18 Sozialverbänden unterzeichnete Anzeige erschienen folgenden Inhalts:
"Wir sind entsetzt über die Anfrage der AfD im Deutschen Bundestag zur Schwerbehinderung in Deutschland. Die Fraktion der AfD erkundigt sich vordergründig nach der Zahl behinderter Menschen in Deutschland, suggeriert dabei jedoch in bösartiger Weise einen abwegigen Zusammenhang von Inzucht, behinderten Kindern und Migrantinnen und Migranten.Es vermittelt sich darüber hinaus die Grundhaltung, Behinderung sei ein zu vermeidendes Übel. Die Anfrage der AfD-Fraktion erinnert damit an die dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte, in denen Menschen mit Behinderung das Lebensrecht aberkannt wurde und sie zu Hunderttausenden Opfer des Nationalsozialismus wurden."
Und weiter, an uns alle gerichtet:
"Wir rufen die Bevölkerung auf, wachsam zu sein und sich entschlossen gegen diese unerträgliche Menschen- und Lebensfeindlichkeit zu stellen. Wir sagen "Nein" zu jeder Abwertung von Menschen mit Behinderung und zu jeglicher Form des Rassismus. Ideologien der Ungleichwertigkeit menschlichen Lebens haben keinen Platz in diesem Land." 
Wer sich noch einmal vor Augen führen möchte, welche Auswirkung auf Individuen diese braune Ideologie gehabt hat, dem empfehle ich die Lektüre meiner Posts über Dorothea Buck oder Elfriede Lohse-Wächtler oder das Buch von Jürgen Schreiber über die Tante Marianne des berühmten Gerhard Richter: "Ein Maler aus Deutschland" - nur drei Beispiele für  die 250 000 bis 300 000 Menschen, die in den Jahren 1939-45 durch Gas, Gift oder einfach durch Verhungern getötet worden sind oder die 350 000, die in ihren Menschenrechten lebenslang durch Zwangssterilisation beschnitten worden sind.

Nicole Höchst, die die Anfrage im Bundestag mit initiiert hatte, wehrte sich ( in bewährter blauer Manier ) vor Tagen, die Debatte um das Thema diskreditiere, diffamiere und verleumde. "Und zwar aufgrund von Dingen, die in den Köpfen politisch korrekter Leute passieren, aber nichts mit dem zu tun haben, was wir wollen." Auf eine Anfrage des "Stern" meinte sie, das Ziel ihrer Partei sei gewesen "herauszufinden, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht. (...) Leider ließ die Antwort der Anfrage keine Beurteilung über das Vorhandensein und die eventuelle Größe des Problems zu, da keine Zahlen erhoben werden. Hier wäre zu prüfen, ob eine künftige Erhebung sinnvoll sein könnte." Handlungsbedarf? Und dann als Reaktion eine Einmischung in das Recht auf Freie Entfaltung der Persönlichkeit, Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit, Freiheit der Person ( Artikel 2 des Grundgesetzes )? Übrigens: Die meisten Behinderungen entstehen im Laufe des Lebens, durch Krankheit oder Unfälle, das gehört zum Menschenleben dazu. Sind das dann alles "Ballastexistenzen"?.

Wer den Blauen auf den Leim gehen oder sich das Gehirn waschen lassen möchte, dass sei doch wieder ganz falsch verstanden worden, und nein, man sei keine Nazipartei, dem sei dann noch ein anderes Beispiel gegeben:

Der saarländische A*fD- Fraktionsvorsitzende hat sich im Landtag am 18. April dahingehend geäußert, dass man in Krankenhäusern Patienten mit ansteckenden Krankheiten von denen ohne trenne, aber in deutschen Schulklassen säßen Kinder mit Down - Syndrom: Durch die Inklusion würden an Schulen „Kinder mit Downsyndrom unterrichtet (...) mit anderen Kindern, die ganz normal, gesund sind.“ ( Quelle hier )

Deutschland, erwache!







Wer jetzt noch keine Brechtüte brauchte, dem wird hier ein Einblick in die Weltsicht einer blauen WhatsApp-Gruppe gegeben. Ich habe irgendwann abgebrochen...

Ratzfatz


... sieht es aus, als hätte es nie eine kalte Jahreszeit gegeben, als hätten wir vor drei Wochen nie im Schneegestöber gefroren. Wie mit einem Zeitraffer findet man sich plötzlich im Vollfrühling wieder.


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