Samstag, 22. Juli 2017

Meine 29. Kalenderwoche 2017


"Heet leeven is een feest,
maar je moet zelf de slingers
ophangen!"

Gerard Reve,
übermittelt an mich von Bettina Röser


Also, die "Sommerfrische der anderen Art" könnte ja viel schlechter sein...


Untergebracht bin ich im 4. Stock, im Kölner Süden, noch innerhalb der mittelalterlichen Stadtgrenzen, Balkon vorm großen Fenster und immer - neben den stadtfarbenroten Geranien -  den Blick auf eine große Rosskastanie ( die den Fraß der Miniermotten, aber auch schon zahlreiche Früchte erkennen lässt ). Wenn man ganz  genau hinschaut, kann man zwischen den höchsten Spitzen des mächtigen Baumes das Kreuz auf dem Turm von Sankt Severin sehen...

Aber der Grund meines Hierseins ist ja nicht das Zimmer mit Aussicht, sondern die Aussicht auf sicheres, schmerzfreies Gehen. Davon bin ich natürlich noch weit entfernt, das heißt, das schmerzfreie Gehen klappt eigentlich schon seit dem Mittwoch wieder mit Hilfe eines absoluten Luxusrollators, seit Donnerstag mit Krücken. Aber das Aufstehen! Da half anfangs kein Schmerzmittel. Und dann das Hinlegen! Noch so ein Angstgegner!
Inzwischen klappt aber alles von Tag zu Tag besser ( und frau hat auch eher akzeptiert, dass sie momentan Einiges einfach nicht auf Anhieb kann ). Hätte mir aber jemand vorher gesagt, ich sollte meine Bauchmuskeln trainieren, wäre das zur Zeit hilfreicher als die ( stattdessen trainierten ) Armmuskeln.





Die Woche brachte auch wundervolle Begegnungen mit stillen Leserinnen meines Blogs: Am Mittwochsmorgen stand nämlich eine solch nette Person in meinem Zimmer, die ganz in der Nähe wohnt und bei mir irgendwann das Stichwort "Klösterchen" im Blog aufgeschnappt hatte. Da hat sie die Gelegenheit genutzt, mir einmal persönlich zu sagen, wie gerne sie bei mir liest. Ich war so gerührt und von einem ganz warmen Gefühl umgeben.

Ähnlich erging es mir am Freitag, als mein Mann mir in meiner Post ein wunderbar farbig verpacktes Buch mit Karte ( mit jenem sinnfälligen Spruch von weiter oben ) mitbrachte. Tränen kamen mir am Abend immer wieder, als ich in dem sehr persönlichen Buch über einen sehr persönlichen Entwicklungsweg aufgrund von Krankheit geschmökert habe. So klar & klug formuliert, was das Leben einem beizubringen vermag! Ich bin sehr beeindruckt, liebe Bettina, und dankbar für dieses Geschenk und unsere Bekanntschaft!

Blumen gab es dann doch noch aus dem Garten der Nachbarin ( die das Unwetter am Mittwoch verschont hatte ) und viele kleine Nachrichten aus den beiden WhatsApp- Gruppen, die ich zwecks zügigem Informationsaustausch zwischen Bloggerfreundinnen & Familie eingerichtet hatte, die immer wieder erfreuen und motivieren. Und das bin ich, zutiefst...

Inzwischen bin ich also ganz glücklich mit meiner Sommerfrische...

Habt aber etwas Nachsicht mit mir, wenn die Kommentare  bei mir nicht so fluppen wie bei euch: Ich bin so was von schnell müde und muss mich gegen das Zufallen der Augendeckel am PC in ganz ungewohnter Weise stemmen.

Vielen lieben Dank, fürs Erste, so ganz allgemein, und macht et joot!





Verlinkt mit Andreas Samstagsplausch

Freitag, 21. Juli 2017

Friday - Flowerday # 29/17


 - der fällt heute aus! 

( Das erste Mal, seit ich hier begonnen habe mitzumachen. )



Auch mein freitäglicher Post zu Raif Badawi,
den Menschenrechten und/oder
Meinungs- und Religionsfreiheit oder dem Nahen Osten
entfällt wieder.

Habt es fein!

Donnerstag, 20. Juli 2017

Great Women # 108: Elly Heuss - Knapp


Von der großartigen Frau, die ich heute meinen Leserinnen & Lesern nahe bringen möchte, hatte ich in meiner Jugend nur im Zusammenhang mit einer Schule, auf die ehemalige Mitschülerinnen nach der vierten Klasse wechselten, gehört und sie vielleicht noch in Zusammenhang gebracht mit "Papa Heuss", dem Bundespräsidenten meiner Kindheit, von dem ich außerdem noch wusste, dass er aus meinem Bundesland stammte. Wie war ich überrascht, als ich mich dann näher mit der ersten "First Lady" dieser Republik beschäftigte, deren Todestag sich gestern zum 65. Mal gejährt hat: Es geht um Elly Heuss - Knapp.

Elisabeth Eleonore Anna Justine Knapp erblickt am 25. Januar 1881 in Straßburg das Licht der Welt. Ihr Vater Georg Friedrich Knapp lehrt als Professor für Nationalökonomie an der Universität Straßburg, ihre Mutter Lidia von Korganow stammt aus Georgien und ist einst seine Studentin gewesen.

Elly ist ihr zweites Kind. Nach ihrer Geburt erkrankt die Mutter an einer nicht näher bekannten psychischen Erkrankung und verbringt ihre Lebenszeit in Sanatorien, so dass die beiden Töchter vom Vater alleine aufgezogen werden. Es gibt also keine Mutter, die darauf achtet, was für ein Mädchen jener Tage so "schicklich" ist. So ist Elly in ihrer Jugend schon eine begeisterte Fahrradfahrerin:
"Mit den Rädern lernten wir das ganze schöne Land kennen. Welchen Zuwachs an Freiheit und Lebensgenuß brachte unserer Generation das Radfahren! Abends konnte man am Rhein die wilden Iris suchen oder die blauen Leberblümchen im Neudorfer Wald. Zu Ostern versteckte man Eier auf der Ulrichsburg, zu Weihnachten lag man auf dem Odilienberg im warmen Sonnenschein und blickte auf die Nebelmasse im Rheintal hinunter, wo die armen Stadtmenschen husten und frieren mußten."
Elly auf ihrem "süßen Adlerrad"
Straßburg gehört zum Zeitpunkt von Ellys Geburt erst seit zehn Jahren ( nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 ) wieder - wie ganz Elsass-Lothringen - zum Deutschen Reich. Georg Knapp hat damals 1873 die Gunst der Stunde genutzt, um an der jungen und reformorientierten Universität einen Lehrstuhl zu übernehmen. Später wird er ihr Rektor werden.

Der Vater ist befreundet mit zahlreichen liberalen Wissenschaftlern & Politikern der Epoche, darunter Friedrich Naumann und Gustav Schmoller. Die "Kathedersozialisten" haben sich für eine aktive Sozialpolitik und staatliche Interventionen eingesetzt. Auf die junge Elly hat das großen Einfluss, aber auch religiöse Denker wie Albert Schweitzers, der entfernt verwandte Theologieprofessor Adolf von Harnack, später auch Friedrich Bodelschwingh.

Die Professorentochter fühlt sich durch ihre Sozialisation frei und bereit die Welt zu entdecken und zu verändern. Und sie ist ausgesprochen selbstbewusst und beabsichtigt "in der Welt ein Röllele zu spielen".

Und damit legt sie schon bald los: Nach dem Besuch der höheren Mädchenschule absolviert sie erst einmal eine Ausbildung zur Lehrerin und gründet mit achtzehn ein eigenes "Schülchen" in Ruprechtsau, einem Vorort von Straßburg. Gerade 20jährig, kurz nach ihrem Examen, ist sie bei der Gründung der ersten Straßburger Fortbildungsschule zur Weiterbildung junger Mädchen dabei - ein wichtiger Impuls für das zeitgenössische Bildungssystem! Dort unterrichtet sie bis 1907 Deutsch, Rechnen, Staatsbürger- und Wirtschaftskunde.

Die geringen beruflichen Möglichkeiten für Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind Elly ein Dorn im Auge. Sie gelangt zu der Überzeugung, dass "die politische Frau ... unweigerlich durch die Schule der Sozialpolitik" zu gehen habe.

Theodor Heuss
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Für sich selbst entscheidet sie, 1905 ein weiteres Studium - das der Volkswirtschaft - aufzunehmen, zuerst in Freiburg, dann in Berlin. Dort sucht sie bald den väterlichen Freund Friedrich Naumann auf. Und dort sitzt sie alsbald an einem Abend einem, wie sie empfindet, schweigsamen und kühlen jungen Mann gegenüber, einem Redakteur der naumannschen Zeitschrift "Die Hilfe": Theodor Heuss. "Wir schlossen Freundschaft."

Die unterschiedlichen Temperamente wie der Altersunterschied von drei Jahren lassen Elly zögern, aus dieser Freundschaft mehr werden zu lassen. Theodor hält dagegen: Was sind drei Jahre "gegen das große und fruchtbare Leben, das unser noch wartet und das wir erwarten?"

Ab 1906 nimmt sie eine Tätigkeit auf, die sie Zeit ihres Lebens beibehalten wird: Sie geht auf Vortragsreisen u.a. in Freiburg, Tübingen, Mannheim zum Thema "Heimarbeit" und veröffentlicht Artikel & Aufsätze. Brieflich halten die Beiden Kontakt. Und schließlich kommt es 1907 auch zur heimlichen Verlobung.

Am 11. April 1908 heiratet Elly dann Theodor Heuss und führt ab da den Namen Heuss - Knapp. Die Trauung nimmt kein geringerer als Albert Schweitzer vor, die Tischrede hält Friedrich Naumann. Und doch weichen Elly und Theodor von den traditionellen Ehevorstellungen ab: Beim Notar wird ein Vertrag zur Gütertrennung geschlossen. Eine Frauenrechtlerin ist Elly allerdings nicht, obwohl sie mit Alice Salomon, einer engagierte Frauenrechtlerin, zusammen arbeitet. In der Sache ist sie mit diesen Frauen einig, in der Form weniger. Für sie ist, ganz bürgerlich, eine Ehe ohne Kinder nicht vorstellbar.

Die junge Familie
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Am 5. August 1910 bringt sie dann ihr einziges Kind, Ernst Ludwig, zur Welt. Die schwierige Geburt kostet sie fast das Leben. Elly hat zuvor schon leichte Herzbeschwerden gehabt, bei der 85  Stunden dauernden Geburt kommt es zu einem Herzkollaps.

Bald trifft Elly die Entscheidung: Haushalt und Kinderbetreuung so viel wie nötig – Erwerbstätigkeit und soziales Engagement so intensiv wie möglich. Und trotz der langsam voran schreitenden Erholung, schafft es die junge Mutter, im September des Jahres ihr erstes Buch herauszubringen: "Bürgerkunde und Volkswirtschaftslehre für Frauen - Leitfaden für Frauenschulen, Handelsschulen, Gewerbeseminare und verwandte Anstalten" ( bis 1929 erlebt das Buch acht Auflagen ).

1911 beginnt sie auch wieder zu unterrichten ( pro Unterrichtsstunde gibt es damals fünf bis sechs Mark ) und bereitet die große Ausstellung "Die Frau in Haushalt und Beruf" vor, die im Februar und März des Folgejahres im Ausstellungsgelände am Zoo technische Neuheiten für den Haushalt vorstellt und die Probleme der Frauenarbeit in Landwirtschaft, Industrie und Handwerk dokumentiert. Ehrenamtlich ist sie außerdem als Schöffin, in der Armen- und Nachbarschaftshilfe tätig. Und sie studiert noch einmal: evangelische Religionspädagogik.

1912 zieht die junge Familie um nach Heilbronn, wo Theodor Chefredakteur der Neckar Zeitung wird. Elly ist nach wir vor unterwegs im Süden und Westen Deutschlands und hält Vorträge u.a. zu "Die Frau im deutschen Wirtschaftsleben", "Haushalt und Frauenbewegung" oder "Einzelhaushalt und Volkswirtschaft".

Der allgemeine Begeisterungstaumel beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist der 33jährigen völlig fremd:
"Ich empfinde es als Heuchelei, wenn wir beginnen, den Krieg an sich zu loben.... Als in Hamburg die Cholera ausbrach, haben Ärzte und Krankenpflegepersonal im ­Heroismus sich selbst übertroffen. Wer ist danach auf die Idee gekommen zu sagen: ‚Die Cholera ist das Erhabenste, Reinigendste, Begeisterndste, das es gibt, die heilige Cholera!‘"  
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Im Verlauf des Krieges stellt Elly ein Projekt für Frauen in puncto Heimarbeit auf die Beine, nachdem ihr alsbald klar geworden ist, in welche soziale Not Frauen und Kinder geraten, je länger die Männer im Krieg sind, alle von einem lächerlichen Sold leben müssen und zudem die Preise für Nahrungsmittel nach oben schnellen.

In der Vermittlung bezahlter Heimarbeit liegt ihre Lösung, damit die Frauen Geld verdienen und zugleich zuhause bei ihren Kindern sein können. Sie wird Unternehmerin und beschäftigt schon nach wenigen Wochen 450 Frauen, später die doppelte Anzahl, die Hemden, Knieschützer und - strümpfe, Ohrenschützer usw. fertigen, welche Elly anfangs an Privatleute, später auch an die Militärverwaltung verkauft.

Das Material zu beschaffen ist in jenen Zeiten nicht immer leicht, doch Elly klagt nie darüber. Sie ist einfach eine Handelnde. Und so fährt sie nach Berlin, um den württembergischen Bundesratsbevollmächtigten einzuspannen, dass ihr und ihren Arbeiterinnen Wolle für 80 000 Paar Socken freigegeben wird, nachdem ihr wegen eines Versäumnisses württembergischer Behörden keine mehr zugeteilt werden soll.
"Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mal so 'perfekt' in Soldatenhemden, Unterhosen und Hals- und Leibbinden würde. Alles auf Bestellung für das Amt. Wir haben sogar kaufmännisch sehr gut gewirtschaftet und haben über vierzigtausend Mark Reingewinn gemacht." ( Der geht selbstverständlich an eine Unterstützerkasse für Kriegerfrauen...)
Die einzigen Sorgen, von denen sie in ihren Briefen spricht, sind die um ihren 76jährigen Vater, der immer noch in Straßburg ausharrt und schließlich nach der Rückeroberung durch Frankreich gezwungen wird, die Stadt zu verlassen. ( Das gelingt ihm schließlich im Herbst 1919. ) Dabei ist sie selbst gesundheitlich angeschlagen und ein längerer Klinikaufenthalt notwendig...

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1918 kehrt die Familie wieder zurück nach Berlin, Elly nimmt ihre Unterrichtstätigkeit wieder auf und kandidiert für die Deutsche Demokratische Partei für Wahlen zur Nationalversammlung, allerdings erfolglos wie ihr Ehemann, obwohl sie Flugblätter entwirft und Wahlreden hält. Den Slogan: "Frauen, werbt und wählt! Jede Stimme zählt! Jede Stimme wiegt! Frauenwille siegt!" hat sie erdacht.

Theodor Heuss gelingt es schließlich - nach einer Phase in der Berliner Kommunalpolitik - 1924 ein Reichstagsmandat, und dann wieder 1930, zu erlangen. Elly hingegen engagiert sich im christlich - sozialen Bereich, geht weiter auf Vortragsreisen und bringt Rundfunkbeiträge zu den von ihr immer wieder bearbeiteten Themen. 1931 wird sie Mitglied im Kulturbeirat des Berliner Rundfunks.

1933 stimmt Theodor Heuss als liberaler Abgeordneter im Berliner Reichstag Hitlers Ermächtigungsgesetz zu, weil er sich der Fraktionsdisziplin beugt ( später wird es es als den schwersten Fehler seines Lebens bezeichnen ). Widerstandshelden sind die Eheleute nicht, aber auch keine ­Mitläufer: Er darf nicht mehr an der Deutschen Hochschule für Politik lehren, sie verliert ihre Tätigkeit beim Rundfunk. Zwei Werke ihres Mannes - "Führer aus deutscher Not" (1927) und das brisante Buch "Hitlers Weg" (1932) - fallen der Bücherverbrennung im Mai 1933 zum Opfer.

Nachdem Theodor Heuss seine letzte geregelte Einkommensgrundlage verloren hat, ist es wieder an Elly im Alter von 52 Jahren umzusatteln, und zwar in die Werbung ( was ihr wohl ziemlich peinlich ist ):

Ihr Vetter Hermann Geiger, Besitzer der Wybert-Gaba-Werke in Basel, bietet ihr zur Aufbesserung der Familienkasse das Image seiner Hustenpastillen zu heben. Sie dichtet erst einmal nur Verse wie "Auf Schritt und Tritt, nimm ­Wybert mit. Ob’s windet, regnet oder schneit, Wybert schützt vor Heiserkeit." Elly hat darüber hinaus die Idee, den Namen Wybert einfach durch eine eingängige Melodie zu unterstreichen und so in den Köpfen der Radiohörer zu verankern -  die Geburtsstunde des Radio-Jingles!
"Musikalisch untermalte Markennamen - mal melodisch-weiche Geigendreiklänge (für Nivea-Creme), mal markig-heroische Fanfaren (für Attika-Zigaretten) - veränderten die Werbewelt von Grund auf", schreibt später Katja Iken darüber.
Aber es bleibt nicht nur bei diesen Radio - Jingles: Elly dreht auch Werbespots. Als die Nazis 1936 Radiowerbung verbieten, sattelt die Werbefachfrau wider Willen einfach um auf Kinofilme und Plakate und sichert so die Existenz der Familie. Ein paar ihrer Filme für Nivea sind hier zu sehen.



Ihre erfolgreiche Arbeit für Firmen wie Bosch, Leica, AEG, Bleyle, Rotbart, Kathreiner u.a. muss sie nur unterbrechen wegen eines zweiten, starken Herzanfalls. 1942 benötigt sie einen Erholungsurlaub und eine Operation. Wegen der andauernden Luftangriffe verlässt das Ehepaar schließlich 1943 Berlin und übersiedelt zuerst nach Heilbronn, dann Heidelberg. Anlass für den Weggang aus Berlin sind aber auch Warnungen, die aus dem Umkreis von Heuss' Sohn stammen, denn Theodor Heuss hat inzwischen auch Kontakte in Richtung Widerstand.

Das Kriegsende - in Heidelberg Ende März 1945 - erleben sie bei Ellys Schwester, der Malerin und Photographin Marianne Lesser-Knapp. Bald danach tragen die Amerikaner Theodor Heuss u.a. das Lizentiat für eine neu zu gründende Zeitung an, die dann am 5. September unter dem Namen "Rhein-Neckar-Zeitung" in Heilbronn erscheint. Schließlich wird er Kultusminister in Württemberg. Elly zieht mit ihm um nach Stuttgart - Degerloch. Bei den Wahlen zum Landtag 1946 gewinnt Elly Heuss - Knapp ein Mandat für die DVP und eröffnet als Alterspräsidentin die erste Sitzung des Parlaments.

Sie schreibt ein Buch über die NS - Diktatur, hält wieder Vorträge, arbeitet in den Sozialausschüssen - es ist unglaublich, wie viel diese schwer kranke, nicht mehr junge Frau immer noch leistet!

1949
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Am 12. September 1949 wird Theodor Heuss zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Deshalb steht wieder ein Umzug an, diesmal nach Bad Godesberg. Und schon entwickelt die frisch gebackene "First Lady" nach dem Besuch des Mütterwerkes in Stein bei Nürnberg mit anderen Wohlfahrtsverbänden die Idee des Deutschen Müttergenesungswerkes. Am 31. Januar 1951 wird die Errichtung in einer Rundfunkansprache bekannt gemacht. Sie, die sonst alle sich aus der Position ihres Mannes ergebenden Schirmherrschaften ablehnt, nimmt ihre, sich selbst gestellte Aufgabe sehr wichtig, denn die Stärkung erschöpfter und schlecht gestellter Mütter in der Nachkriegszeit liegt ihr am Herzen. Dabei ist ihr eigenes zu diesem Zeitpunkt schon sehr geschwächt, und immer wieder muss sie selbst in die Klinik.

1951 mit Enkelin Barbara
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Am 19. Juli 1952 stirbt Elly Heuss - Knapp in der Bonner Universitätsklinik. Sie wird auf dem Stuttgarter Waldfriedhof beigesetzt.

Ihr Mann überlebt sie noch elf Jahre. Wie sehr er, der bis heute bewunderte Bundespräsident, von der Begeisterungsfähigkeit und Tatkraft seiner Frau profitiert hat, bleibt meist völlig unberücksichtigt. Und Elly Heuss - Knapp lediglich als "Mutter der Nation" oder als bescheidene Schirmherrin des Müttergenesungswerks  zu sehen, ist in meinen Augen ein grobes Unrecht, wird dem Allroundtalent nicht gerecht.

Ich hoffe, ich konnte dafür die Augen heute etwas öffnen...



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